Am Ende einer Reise

Mit einer Mischung aus Traurigkeit, aber auch viel Dankbarkeit sitze ich am Flughafen von Hermannstadt (Sibiu) und warte darauf, meinen Rucksack aufgeben zu können. In den letzten Stunden habe ich ihn noch mit einigen Klischee-Süßigkeiten als Mitbringsel aufgefüllt, weil ich der Meinung bin, dass dies die beste Möglichkeit ist, dem Daheimgebliebenen ein bisschen etwas von vergangenen eineinhalb Wochen zu erzählen. Schon als Kind habe ich die Schnapsgläser mit Logo der Stadt oder die „I Love XXX“-T-Shirts als sinnlos empfunden: Wenn der Beschenkte keine eigene emotionale Bindung dazu hat, enden diese Art von Geschenken bestenfalls als Stehrumchen.

Wie immer am Ende einer Reise ist die Frage: was bleibt?

Das Ziel einer Tagesetappe ist absehbar.

Zweifellos die wunderschönen Erinnerungen. Ich habe mich zwar erst einmal akklimatisieren müssen und in den ersten Tagen hat mich die in Bukarest stark sichtbare Armut sehr berührt. Aber gleichzeitig habe ich Rumänien als ein unglaublich schönes und gastliches Land erlebt. Es erfordert sicherlich mehr Mut, als in ein Land zu reisen, welches über eine perfekte touristische Infrastruktur verfügt. Und auch ich habe vor der ein oder anderen Tafel gestanden, die sicherlich wertvolle Informationen enthielt – die mir trotz acht Jahre Latein aber leider vollständig verborgen geblieben sind. Aber umso größer hat sich das freudige Lächeln von vielen Menschen hier eingeprägt, wenn ich sie mit einem einfachen, am Anfang etwas gestammelten Bună ziua (Guten Tag) begrüßt, ihren Rat nach einem Restaurant oder einer Unterkunft gesucht oder mich anschließend mit Mulţumesc bedankt habe. Georgeta, deren erste Kunden wir waren und die so vor Freude über unser Erscheinen in ihrem Touristenbüro in Săcuie mit Informationen nur so übersprudelte, dass wir uns kaum etwas davon merken konnten. Unsere Zimmergeber Buzakalaszné und Crina, die auf jeden Fall noch eine Stunde Staub wischen wollten, bevor wir für eine Nacht einziehen würden. Oder die Fahrkartenverkäuferin in Călimănești, die noch mehrfach auf den Bahnsteig kam, um sicherzustellen, dass wir wirklich in den richtigen Zug einsteigen.

Begegnung in der Einsamkeit des Apuseni-Nationalparks.
Begegnung in der Einsamkeit des Apuseni-Nationalparks.

Obwohl Rumänien ein verhältnismäßig armes Land in Europa ist, habe ich nicht einmal erlebt, dass mich ein Haus- oder Gastwirt über’s Ohr hauen wollte, die unübersehbare Tatsache, dass ich Deutscher bin, auszunutzen versucht oder mich zu irgendwas drängen versucht hätte. Gerade von südlichen Ländern bin ich oft anderes gewohnt – wo ich schon aufgrund meiner Herkunft sofort gaaanz viele Freunde habe.

Es war eine unglaublich schöne Erfahrung mit einer Gastfreundschaft, die mit lange nicht begegnet ist.

Ich werde wiederkommen!

Danke, Rumänien!

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